Essstörungen

Essen dient nicht nur der biologisch notwendige Nahrungsaufnahme, sondern dient auch als Genussmittel und erfüllt eine Funktion im sozialen Kontext. Der Appetit ist z.B. bei einer Magersucht in der Regel nicht reduziert, sondern es wehrt sich in der Betroffenen etwas gegen die Nahrungsaufnahme.

 

Essstörungen können unterteilt werden in Anorexie (Magersucht), Bulimie (Ess-Attacken mit Erbrechen/Abführen) sowie die Binge-Eating-Störung (Ess-Attacken).

Magersucht (Anorexia Nervosa)

Bei einer Magersucht (Anorexia Nervosa) besteht ein deutlich reduziertes Körpergewicht, welches durch verminderte Nahrungsaufnahme, Bewegung, Mißbrauch von Abführmitteln oder Erbrechen von den Betroffenen absichtlich herbeigeführt wurde. 

 

Der Selbstwert ist häufig eng verbunden mit dem Körpergewicht und der Figur. Es besteht ein hohes Kontrollbedürfnis über Gewicht und Nahrungsaufnahme. Auf Versuche die Nahrungsaufnahme zu erhöhen, z.B. im Rahmen einer Psychotherapie, wird mit Angst reagiert. 

 

Aufgrund des Gewichtsverlustes treten verschiedene körperliche Veränderungen auf (niedriger Blutdruck, hormonelle Veränderungen etc.). Die Sterblichkeit ist im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung deutlich erhöht und liegt bei 8-20 % innerhalb von 10-20 Jahren (stationär behandelte Patienten).

 

Die Häufigkeit der Anorexia Nervosa hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen. Ca. 0,4 % der 15- bis 19-jährigen Frauen leiden innerhalb eines Zeitraums von 12 Monaten an Anorexia Nervosa. Junge Männer sind deutlich seltern betroffen. Im Durchschnitt liegt der Erkrankungsbeginn bei 16 Jahren.

Bulimie (Bulimia Nervosa)

Bei einer Bulimie (Bulimia Nervosa) treten häufige Essattacken auf, während derer in kurzer Zeit hohe Nahrungsmengen eingenommen werden. Dem gegenüber steht ein starker Wunsch das Körpergewicht zu kontrollieren. Das Zielgewicht liegt dabei häufig im untergewichtigen Bereich. Um trotz der Essattacken das Körpergewicht zu halten erfolgen nach Essattacken gegenregulierende Maßnahmen (Erbrechen, Abführmittel etc.). 

 

Auch bei einer Bulimie besteht ein starker gedanklicher Fokus auf Gewicht und Figur. Der Selbstwert ist häufig herabgesetzt und soziale Normen sowie die Meinung anderer werden als außerordentlich wichtig angesehen. In der Psychotherapie spielt außerdem die Fähigkeit zur Emotionsregulation eine zentrale Rolle.

 

Ca. 30% der Patienten mit Bulimie zeigten im Vorfeld die Symptome einer Anorexie. Ca. 1,0 - 1,5 % der jüngeren Frauen leiden innerhalb eines Zeitraums von 12 Monaten an einer Bulimie.

Binge-Eating-Störung

Bei einer Binge-Eating-Störung ereignen sich Heißhungerattacken mit dem subjektiven Gefühl von Kontrollverlust, die häufig zu einer Gewichtszunahme (Adipositas) führen. Abführende Maßnahmen werden im Unterschied zu einer Bulimie nicht durchgeführt.

Psychotherapie von Essstörungen

Essstörungen sind häufig sehr hartnäckige Erkrankungen, die eine längere spezialisierte Psychotherapie benötigen. Eine verhaltenstherapeutische Psychotherapie sollte in den meisten Fällen die Methode der ersten Wahl sein. Diese kann stationär oder ambulant durchgeführt werden. 

 

Als erste Anlaufstelle kann hierbei die Beratungsstelle Therapienetz Essstörungen dienen, wo Informationen und Kontakte zu spezialisierten Psychotherapeuten und Kliniken vermittelt werden.

 

In vielen Fällen ist im Behandlungsverlauf ein spezialisierter stationärer Aufenthalt indiziert. Zu den führenden Kliniken für die Psychotherapie von Essstörungen zählt in Deutschland die Schön Klinik Roseneck.


Quellen:

Jacobi, Corinna, Thomas Paul, und Andreas Thiel. Essstörungen. Vol. 24. Hogrefe Verlag, 2004.

 

Berger, Mathias, ed. Psychische Erkrankungen: Klinik und Therapie-enhanced ebook. Fischer Gustav Verlag GmbH & Company KG, 2019.